Verstehen

 

Wir glauben zumeist, daß alles in unserem Kopfgehirn abläuft und dort auch entsteht. Das kommt zum großen Teil daher, daß die Psychologen, Neurowissenschaftler und andere „Experten“ uns dieses erzählen.

Sie erzählen es uns, weil sie es nicht besser wissen.

Das wiederum kommt daher, daß sie fast ausschließlich irgendetwas an ANDEREN Menschen messen und die Messergebnisse dann interpretieren.

Da sie aber von den menschlichen Funktionen keine Ahnung haben, sind ihre Interpretation nur reine Vermutungen und weitgehend falsch.

Würden sie sich selbst und ihre Funktionen objektiv beobachten, kämen sie zu besseren Ergebnissen, die eher den Tatsachen entsprächen.

Wie ist es also tatsächlich?

Der Mensch hat 4 grundlegende Funktionen, die auch als eigenständige Zentren (Gehirne) mit Erinnerungsvermögen betrachtet werden können.

Diese Funktionen sind:

1) die instinktive Funktion

Diese sind bei der Geburt schon vollständig ausgebildet und arbeiten perfekt automatisch. Dazu gehören der Herzschlag, die Atmung, die Verdauung usw.

Die instinktive Funktion Arbeit nach dem Prinzip angenehm-unangenehm.

2) die Bewegungsfunktion

Dies sind all die Funktionen, die wir erst erlernen müssen, wie das Gehen, Radfahren, Schreiben, usw.

Die Bewegungsfunktion arbeitet nach dem Prinzip Ruhe-Bewegung.

3) die intellektuelle Funktion

Die intellektuelle Funktion arbeitet nach dem Prinzip Ja-Nein, Pro-Kontra, richtig-falsch.

4) die emotionale Funktion

Die emotionale Funktion arbeitet nach dem Prinzip mögen-nicht mögen.

Die intellektuelle Funktion ist die langsamste. Die emotionale Funktion die schnellste.

Wir „verstehen“ etwas erst dann richtig, wenn alle vier Funktionen an einer Erfahrung beteiligt sind. Wenn uns etwas gesagt wird, was neu ist, kennen wir NUR den Begriff, der im intellektuellen Zentrum abgespeichert wird. Was nicht bedeutet, daß wir schon verstehen.

Dazu ein praktisches Beispiel.

Einem Kind wird gesagt: „Die Kerzenflamme ist heiß! Faß sie nicht an!“

Da hat das Kind nun den Begriff „heiß“, weiß aber nicht, was das bedeutet.

Wenn das Kind nun neugierig mit einem Finger in die Flamme faßt, passiert folgendes:

1) Es verspürt einen Schmerz (instinktive Funktion)

2) Es zuckt reflexartig zurück (Bewegungsfunktion)

3) Es erschrickt sich (emotionale Funktion)

4) Es verbindet den Begriff „heiß“ mit der Erfahrung aus den anderen Zentren (intellektuelle Funktion) und dem Wort Flamme.

Nun hat es BEGRIFFEN. So entsteht Verstehen.

Dies alles findet aber nicht ausschließlich in unserem Kopfgehirn statt, dem intellektuellen Zentrum.

Das instinktive und Bewegungszentrum sind in der Gegend des Rückenmarks lokalisiert. Das emotionale Zentrum im Solarplexus. Letzteres kann jeder selbst verifizieren, wenn er beobachtet, wo denn Freude, Schreck oder Angst empfunden werden.

Nun hat jeder Mensch von Geburt an in einem, manchmal auch in zwei dieser Zentren seinen Schwerpunkt. Das heißt, er sieht die Welt durch diese Brille.

Im Vierten Weg nennt man diese Menschen je nach ihrem Schwerpunkt „Mensch Nr. 1“ (instinktiv/Bewegung, weil diese beiden Zentren annähernd mit der gleichen Geschwindigkeit arbeiten), „Mensch Nr 2“ (mit emotionalem Schwerpunkt) und „Mensch Nr. 3“ (mit intellektuellem Schwerpunkt).

Wenn nun ein Mensch mit instinktivem Schwerpunkt durch eine Fußgängerzone geht, wird er vornehmlich die Gerüche wahrnehmen, die Temperatur, den Wind, etc..

Ein Mensch mit Schwerpunkt im Bewegungszentrum achtet mehr auf Bewegungen oder entdeckt Ruhegelegenheiten. Er hat einen ausgezeichneten Orientierungssinn und kann sehr gut einschätzen, ob ein Sofa durch die Tür paßt oder eine Flüssigkeit in ein anders geformtes Gefäß.

Der Mensch mit intellektuellem Schwerpunkt wird auf die Preise achten und Informations- und Straßenschilder lesen oder die Anzahl der Treppenstufen zählen. Er vergleicht alles mit dem, was er schon kennt, denn Denken heißt Vergleichen.

Der Mensch mit dem emotionalen Zentrum interessiert sich eher für Menschen und Gesichter, betrachtet die wundervolle Architektur oder erfreut sich an Ästhetik, Blumen und Farben.

Im Vierten Weg arbeitet der Mensch daran, seinen Schwerpunkt zu erkennen und dann die anderen weniger entwickelten Zentren und Funktionen zu optimieren und gleichzeitig ist er bestrebt, seine Selbsterkenntnis und sein Bewußtsein zu erweitern.

Somit erschließen sich ihm verschiedene Möglichkeiten, sein Verständnis dessen, was er wahrnimmt gezielt zu erhöhen, indem er absichtlich Verbindungen zwischen den verschiedenen Zentren (Gehirnen) herstellt.

Was hier noch nicht berücksichtigt wurde, ist das Zusammenwirken der vier grundlegenden Funktionen mit den seelischen und geistigen.

Wer tiefer in diese Thematik einsteigen möchte, lese das Buch „Die Psychologie der möglichen Entwicklung des Menschen“ von P. d. Ouspensk, welches eine gute und kurze Einführung in die Ideen des Vierten Wegs gibt.

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