Selbsterkenntnis

Es heißt auch: Die äußere Welt ist ein Spiegel für uns.

Nur ist dies für die meisten nur ein kleiner Handspiegel, der zudem noch beschlagen oder taub ist. Und dann nutzen sie ihn auf verkehrte Weise, indem sie ihn vor sich halten, als wollten sie ein Selfie erstellen, betrachten aber meist nur das, was sich hinter ihnen befindet oder die weitere Umgebung.

Aber auch, wenn der Spiegel rein ist, bleibt es stets so, daß wir nur das sehen, was wir kennen.

Woher kennen wir es denn? Nun, weil wir es in uns selbst haben, sonst könnten wir es nicht wahrnehmen oder benennen. Manchmal ist dies aber noch so diffus, daß wir nur ein unbequemes Gefühl wahrnehmen, ohne das Beobachtete definieren zu können.

Sehen wir also eine Unart oder Unehrlichkeit in einem anderen, bedeutet dies unmißverständlich, daß es Teil unserer selbst sein muß. Falls wir es nicht exakt bestimmen können, brauchen wir nur etwas tiefer in uns hinein zu schauen.

Diese Selbstbeschau muß jedoch geübt werden. Denn wir neigen dazu, alle unsere Mängel, Fehler und Sünden zu beschönigen und zu rechtfertigen.

Das beste und vorrangige Rechtfertigungs-Werkzeug ist unser Verstand. Mag er auch noch so beschränkt sein, für derartige Fälle hat er eintausend und eine Rechtfertigung zur Hand.

Da dies täglich mehrfach geschieht, ist es aber gleichzeitig die beste Gelegenheit, sich selbst zu beobachten. Und hat man dann eine dieser schlechten Gewohnheiten ausgemacht und benannt, kann der Wunsch entstehen, diese mit Stumpf und Stiel auszurotten.

Da wir aber in unserem jetzigen Zustand (der seelischen Kraftlosigkeit) kaum in der Lange sind, dies aus uns selbst zu bewerkstelligen, ist dies der ideale Moment, Gott um Hilfe zu bitten.

Denn alle Bitten an Gott sollten doch möglichst geistiger Natur sein und sich nicht um weltliche Dinge drehen.

Zumal Jesus sagte: „Ohne Mich könnt ihr nichts tun.“

Mit „tun“ ist gewiß nicht das geschäftig sein in der Welt gemeint.

Wie komme ich nun zu einer klareren und tieferen Erkenntnis meiner Selbst?

Hat man niemanden außer Jesus, den man im Herzen fragen könnte, besitzt aber noch eine gewisse Scheu davor, weil die Antwort ja dann verbindlich sein würde, empfiehlt sich die Lektüre der Bibel.

Die gesamte Bibel ist im Grunde eine sehr präzise Anleitung zur Verbesserung des Menschen – wenn man denn zu lesen (hören) versteht. Eine Verbesserung ist hier wesentlich als seelisch und geistig zu betrachten.

Es spricht nichts dagegen, auch materiell reich zu sein oder zu werden, nur sollte man niemals sein Herz daran hängen.

Hängt das eigen Herz nicht daran, ist der Mensch auch aus sich freigiebiger – und das, ohne eine Gegenleistung oder Dank zu erwarten. Der Ausgleich findet im geistigen Bereich statt. Das ist die wahre Bedeutung von „Gib und dir wird gegeben“.

Es gilt also auch hier, bei sich selbst zu schauen, ob man freudig und ohne Erwartung gibt. Denn das wäre keine Nächstenliebe, sondern ein Geschäft.

In seinem Buch „Warum können wir nicht gut sein?“ erzählt Jakob Needleman eine Geschichte dazu:

Ein Mann ist mit seinem Sohn auf dem Heimwege und sie treffen auf einen Bettler, der auch seinen Sohn dabei hat. Der Vater lädt den Bettler ein, mit zu seinem nahen Haus zu kommen, um ihm dort etwas zu geben.

Der Bettler und dessen Sohn folgen ihm und daheim angekommen, geht der Vater mit seinem Sohn ins Haus und sagt seinem Sohn: Hole ein Spielzeug von dir, das du dann dem Jungen schenkst. Und der Sohn kommt bald mit einem Spielzeugauto, welches aber schon einige Jahre älter ist und etwas lädiert aussieht.

Der Vater sagt ihm: „Nein, das ist nicht gut genug. Geh’ und hole dein Lieblingsspielzeug und schenke das dem Jungen.“

Der Sohn zögert etwas, aber da er weiß, daß sein Vater immer das richtige zu tun pflegt, holt er ein nagelneues Feuerwehrauto, geht zur Haustür und gibt dieses dem Jungen.

Der ist so überrascht und überglücklich, daß er kaum ein Danke heraus bringt, aber seine Augen strahlen mächtig vor Freude.

Nachdem der Bettler auch beschenkt wurde und er mit seinem Sohn wieder abgezogen ist, kommt der Sohn zum Vater und sagt: „Können wir das nochmal machen?“

Ist dieser Lohn nicht besser als alles sonst?

Zurück zur Selbsterkenntnis.

Niemand darf erwarten, dies ginge schnell oder man könnte es „lernen“ in einem Seminar durch einen Coach. Die Anleitung, die benötigt wird, beruht immer auf „selbst erkennen“ – und das geht eben nur innerlich.

Was du dazu brauchst, ist ersten der Wunsch oder das Verlangen nach Selbsterkenntnis, dann eine gewisse Unerschrockenheit, auch deine dunklen Seiten zu betrachten, Geduld (auch mit dir selbst) und Zielstrebigkeit. Auf halben Wege stehen bleiben ist dabei oft schlechter, als gar nicht erst zu beginnen.

Die große Frage ist:

Woher nehme ich das Verlangen?

Denn absichtlich erzeugen kannst du es nicht.

Eine Möglichkeit wäre, nach Beispielen zu suchen. Menschen zu finden, von denen man annehmen kann, daß sie bereits auf dem besten Wege dahin sind.

Woran aber willst du diese Menschen erkennen? Dir fehlt ja jeglicher Maßstab? Da helfen dir wieder die Beschreibungen in der Bibel. Dort findest du leicht gute und schlechte Beispiele.

Nun mußt du nur noch vergleichen, wo du da selbst im Verhältnis stehst, um eine Ahnung davon zu bekommen, wohin die Reise gehen kann – und auch sollte.

Gutes Gelingen!

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