Zauderlehrling

 

„Schau’n wir mal“ sprach der Zauderlehrling, als er von der Idee hörte, sich und seine Situation zu verbessern.

Denn er meinte bei sich: „Bevor ich jetzt ein Risiko eingehe, warte ich erstmal, und sobald dann jemand oder mehrere erfolgreich sind, lege ich so richtig los.“

Was er dabei nicht bedachte war, daß andere ja ganz anders agieren als er und es daher nicht die geringste Garantie gibt, daß auch er erfolgreich wird durch pure Nachahmung.

Das würde eh nur dazu führen, daß er sich verbiegen müßte, um etwas zu erreichen, was er schon vorher nicht ausreichend wert geschätzt hatte. Sein Leben wäre nur eine wirkungslose Kopie.

Und viele dieser Zauderer erliegen bereits nach kurzer Zeit den Ablenkungen, die täglich von außen einwirken und vergessen die ganze Sache komplett.

Sie nennen es aber später: „Meine Entscheidung“, weil sie ja nicht zugeben möchten, daß sie wie tote Fische stromabwärts getrieben werden. Sie waren im ja Flow, wie es heißt.

Und wenn sie dann doch einmal darauf stoßen, daß andere damit erfolgreich sind, fällt es ihnen schwer, die eigene Entscheidung zu revidieren, denn dann wären sie ja inkonsequent.

Also legen sie sich wieder auf ihr Schlummerkissen auf dem Sofa auf dem in zierlicher Stickerei ein Sprüchlein steht:

„Noch ein Viertelstündchen.“

Und irgendwann wird es dann das letzte Viertelstündchen gewesen sein. Und ihr Leben war wie ein trockener Staubwirbel an einem heißen Sonntag Nachmittag bei Bielefeld.

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