Garten
   Eine spirituelle Geschichte

Es war einmal ein Mensch, der hatte einen wunderbaren Garten, indem allerlei Pflanzen und Blumen gediehen. Er hatte diesen Garten schon seit vielen Jahren gepflegt und bewässert und die Bäume trugen reichlich Frucht.

Eines Tages sagte sich der Mensch: „Ich habe mehr als genug Früchte und üppige Blumen im Überfluß, da wäre es doch schön, wenn ich das Gartentor öffnete und andere daran teilhaben ließe.“
Gedacht, getan. Und alsbald kamen viele Bewohner seines Dorfes und auch Menschen von weit her, um sich in seinem Garten umzusehen und die Energie in sich aufzunehmen.

Einige der Besucher halfen während ihres Aufenthaltes beim Bewässern, Unkraut jäten und ernten. Andere freuten sich einfach an der herrlichen Blütenpracht und wieder andere brachten ihre eigenen Pflanzen und Kräuter als Geschenk.

Bald aber stellte sich heraus, daß dies nur Wenige waren. Die Mehrheit der Besucher des Gartens waren anderer Art. Sie neideten dem Menschen seine Gartenpracht, zertrampelten die Beete, stahlen seine Früchte und verkauften sie auf dem Markt und vergifteten obendrein die Quelle, sodaß bald darauf alle Pflanzen zugrunde gingen. Dies nahmen sie dann zum Anlaß, ihm vorzuwerfen, er wäre ungeeignet einen Garten zu besitzen und klagten auf Herausgabe. Schließlich gehöre ein brachliegender Garten der Allgemeinheit, damit er nutzbar würde.

Und so entbrannte unter den Dorfbewohnern die Frage: Wem denn dieser Garten gehöre?
Nach jahrelangem Streit vor Gerichten wurde der Garten schließlich als öffentlicher Park deklariert und die Gemeinde ließ wieder Blumen und Sträucher dort pflanzen. Da dieser Park aber nun niemandem persönlich „gehörte“, wollte sich auch niemand für die Pflege verantwortlich fühlen.

Doch die Streitigkeiten, welche Pflanzen dort wachsen sollten und wie sie angeordnet sein müßten, nahmen kein Ende. Und bald wuchsen dort daher nur noch pflegeleichte Bodenpflanzen, die den gesamten Park bedeckten und alles sah gleich aus. Die Bepflanzung hatte sich dem Denken und dem Niveau der Mehrheit angepaßt. Und alle sprachen hinfort von Harmonie. Denn sie hatten auch keine Ahnung davon, was Harmonie eigentlich bedeutet.

Wahre Harmonie besteht aus unterschiedlichen Tönen, die gemeinsam als Akkord einen Wohlklang ergeben. Was die Dorfbewohner für Harmonie hielten, war nur ein und derselbe Ton, wie auf einem Monochord, nur in verschiedenen Oktaven. Das hielten sie für Vielfalt und sich selbst für weise.

Jener Mensch aber, dem der Garten anfänglich gehörte, hatte sich längst einen neuen Garten geschaffen. Und dessen Pforten hielt er wohlverschlossen. Nur ab und zu, wenn es geschah, dass ein verständiger Besucher in sein Haus kam, ging er gemeinsam mit ihm zur Quelle. Aus ihr sprudelte die lebendige Wahrheit, die das Gute im Garten verteilte und das Schöne entstehen ließ.

Was dieser Mensch mit seinem Garten tat, wandte er auch auf sich selbst an. Er entfernte das Unkraut, seine schlechten Gewohnheiten, und pflegte die guten. Der Garten lehrte ihn Geduld, Vertrauen und Aufmerksamkeit. Was ihn aber am meisten erstaunte war, daß einige Pflanzen, die er anfänglich nur für Unkraut hielt, enorme Heilkräfte besaßen.

Und so wurde er nach einiger Zeit zum Heiler für die darbenden Dorfbewohner. Zunächst nur rein körperlich durch Salben und Tinkturen, aber bald auch seelisch und geistig, denn die Dorfbewohner, die geheilt wurden, faßten allmählich Vertrauen und hörten auf seine Ratschläge.

Nach wenigen Jahren sahen die Dorfbewohner ihre Irrtümer ein und das ganze Dorf wurde buchstäblich zu einem blühenden und fruchtbaren Garten – äußerlich und geistig.

Darum achte stets darauf, wie Dein Garten bestellt ist und wem du Einblick gewährst und halte Deine Perlen unter Verschluß.

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