
„Ich denke, also bin ich“, sagte René Descartes – und irrte.
Denken ist nicht die Ursache des Seins, bzw. der Qualität des Seins. Die meiste Zeit des Tages denken wir unbewußt und rein mechanisch. Es denkt in uns.
Wir können unser Denken beobachten, weshalb das Ich (der Beobachter) etwas anderes ist, als das Beobachtete (Denken).
Die Betonung liegt zudem auf KÖNNEN, denn wir tun dies sehr selten. Und wir merken nicht einmal, daß wir unser Denken nicht beobachten.
Unsere mechanischen und unabsichtlichen Gedanken entstehen durch Assoziationen zwischen abgespeicherten Informationen.
Wahre Gedanken entstehen im (geistigen) Herzen und steigen von dort als komplette Ideen zum Denkhirn auf, wo sie dann erst „zerlegt“ werden und mit anderen, vorhandenen Informationen abgeglichen werden und bei Gelegenheit geäußert werden.
Leider kann das Gehirn meist nicht unterscheiden, ob grad eine gute Gelegenheit ist und hält zudem die „eigenen Gedanken“ für derart wichtig, daß sie sofort mitgeteilt werden müssen. Man könnte hier von einer mentalen Inkontinenz sprechen.
Und wenn dann erstmal angefangen wurde, Laute zu produzieren, poppen automatisch jede Menge Assoziationen auf und der Mensch kommt vom Hundertsten ins Tausendste – ohne sich dessen bewußt zu sein.
Daß die tieferen Gedanken aus dem (geistigen) Herzen aufsteigen, kann jeder in einer Meditation selbst beobachten und verifizieren.
In der Bibel finden sich etliche Hinweise darauf, daß dem so ist. Hier ein paar Beispiele:
– Sprüche 19,21: „Viele Gedanken sind im Herzen eines Mannes; aber der Ratschluss des HERRN, der kommt zustande.“
– Psalm 19,15: „Mögen die Worte, die ich spreche, und die Gedanken, die mein Herz ersinnt, dir gefallen, HERR, mein Fels und mein Erlöser!“
– Hebräer 4,12: „Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, Gelenken und Mark, und ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens.“
– Sprüche 23,7: „Denn wie er in seinem Herzen denkt, so ist er.“
– Deuteronomium 29,3: „Ein Mensch hat Augen, um zu sehen, Ohren, um zu hören, und ein Herz, um zu verstehen.“
– 1 Samuel 16,7: „Der HERR aber sieht das Herz an.“
– Sprüche 3,5-6: „Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand.“
– Daniel 1,8: „Daniel nahm sich in seinem Herzen vor...“
– Sprüche 4,23: „Behüte dein Herz mit allem Fleiß; denn daraus quillt das Leben“,
– Markus 7,21: „Denn von innen, aus dem Herzen eines Menschen, kommen böse Gedanken wie Unzucht, Diebstahl, Mord…“
– Markus 2,8: „Jesus wusste, was in ihnen vorging, und sagte: »Warum macht ihr euch in euren Herzen solche Gedanken?„
– Hebräer 4,12: „Das Wort Gottes ist lebendig und wirksam. Es ist schärfer als das schärfste Schwert und durchdringt unsere innersten Gedanken und Wünsche. Es deckt auf, wer wir wirklich sind, und macht unser Herz vor Gott offenbar.“
– Matthäus 6,21: „Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.„
Wie stellen wir es nun an, zu bemerken, ob wir uns unserer Gedanken bewußt sind? Und wie können wir uns unserer Gedanken häufiger, länger und intensiver bewußt werden?
Wir könnten z. B. damit beginnen, keine Kraftausdrücke, Schimpfworte oder Gossensprache mehr zu benutzen.
Das Problem dabei ist, daß wir die meiste Zeit zu tief im Schlaf sind und uns nicht einmal daran erinnern, daß wir dies vorhatten.
Also brauchen wir einen Wecker.
Da hilft uns eine andere Übung:
Wir versuchen jedesmal, wenn wir eine bestimmte Farbe sehen, einen Moment inne zu halten und uns an unser Vorhaben zu erinnern. Dann müssen wir noch die „Anstrengung“ machen, mit unserer Aufmerksamkeit in die Gegenwart zu kommen – ins Hier und Jetzt. Die Farbe sollte jede Woche gewechselt werden, damit es nicht zur Gewohnheit wird und damit dann wieder mechanisch ist.
Das wird zu Beginn zwar sehr selten sein. Aber jedesmal, wenn du es schaffst, wächst deine Seele ein wenig und es wird allmählich heller in ihr. Was du bei diesen Übungen jedoch unbedingt vermeiden solltest, ist, negativ darüber zu werden, wenn du es nicht geschafft hast.
Richtiges Denken ist immer zielführend. Das heißt, man denkt über eine Sache nach und bringt soviel Informationen wie möglich zusammen über die Entstehung dieser Sache, ihren Werdegang, ihren Nutzen oder Schaden, ihr Ende und stellt sich dieses möglichst bildlich vor.
So entstehen immer mehr Verknüpfungen im Denkhirn und der Zugriff darauf wird leichter und schneller.
Achte ab er stets mehr auf dein Gefühl! Denn Verstehen kommt aus dem Herzen.
Der Verstand selbst ist am besten dazu geeignet, Ausreden und Rechtfertigungen für sich selbst zu erfinden. Und das ist im eigentlichen Sinne ein Sich-Selbst-Belügen.
Laßt uns das „Cogito ergo sum“ (Ich denke, also bin ich) von Descartes umwandeln in
„Amo ergo sum“ (Ich liebe, also bin ich).
